Nach der Premiere in Weimar, Aufführungen in Aachen, Düsseldorf, Frankfurt/M. und Berlin kam der bekannte Rezitator Lutz Görner im Schiller-Jubiläumsjahr nach Lörrach. Auf Einladung der örtlichen Dualen Hochschule (DHBW), der Stadtbibliothek und des Förderkreises der Wissenschaftlichen Regionalbibliothek (WRB) präsentierte er am 17. Oktober 2009 im DHBW-Auditorium sein neues Programm "Opiumschlummer und Champagnerrausch". Die zahlreichen Zuschauer waren von seiner mit vollem Körpereinsatz gebotenen Vortragskunst begeistert.
Dafür, dass das Ganze nicht zu wortlastig wurde, sorgte Stefan Sell. Er begleitete den Vortrag – mal klassisch, mal rockend – auf zwei Konzertgitarren mit Melodien von Schillers Lieblingskomponisten Antonio Zingarelli und Willibald Gluck sowie von Bach, Mozart, Haydn und anderen. Sein mitreißendes Gitarrenspiel brachte den ganzen Saal zum Wippen.
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Wie nähert man sich einem schon vor langer Zeit gestorbenen "großen deutschen Dichter" an? Über sein Werk, na klar. Richtig deutlich wird die besondere Leistung von Friedrich Schiller, dessen Geburtstag sich am 10. November zum 250. Mal jährt, jedoch erst vor dem Hintergrund seiner Lebensumstände.
Also rezitiert Lutz Görner nicht nur stimmgewaltig Gedichte und dramatische Monologe, sondern lässt auch den Menschen Schiller vor dem geistigen Auge des Publikums erstehen: Als Schüler auf Fürstenwunsch aus seiner Familie gerissen und auf eine militärisch ausgerichtete Internatsschule gesteckt, begehrt Fritz, wie er genannt wird, als junger Poet gegen solche Umstände auf, häuft Schulden an, vor denen er mehrfach flieht, und verzehrt sich nach weiblicher Nähe, die für ihn unerreichbar scheint, obwohl er nach eigenen Worten nur ein "nachgiebiges, gutmütiges Geschöpf mit Wirtschaftlichkeit" sucht. Schillers Äußeres – auffallend große, hagere Gestalt mit Hakennase und wirren, rötlich-blonden Haaren – ist nicht gerade attraktiv.
Während er in seiner Heimat als fahnenflüchtiger Militärarzt gesucht wird, feiert er andernorts als Dramatiker mit Theateraufführungen erste Triumphe. Doch auf Erfolge folgen Abstürze: Schreibhemmung, Alkoholkonsum, selbstquälerische Gedanken. "Allein eine Ehe kann meine extremen Stimmungsschwankungen, die fatale Kette von Spannung und Ermattung, von Opiumschlummer und Champagnerrausch beruhigen", notiert Schiller kurz vor seinem 30. Geburtstag.
Er hat Glück, lernt zwei Frauen kennen und verliebt sich in die eine der beiden Schwestern – allerdings in die verheiratete. Die andere, Charlotte von Lengefeld, Lolo genannt, heiratet er mit knapp 31 Jahren – und lernt sie anschließend lieben. Nun scheint sein Leben privat wie öffentlich in perfekten Bahnen zu laufen, doch ein Jahr später erkrankt Schiller schwer, mutmaßlich an Tuberkulose. Eine vollständige Genesung gelingt nicht; er erleidet immer wieder Hustenkrämpfe und Zusammenbrüche.
Der Dichter muss jahrelang unter Schmerzen gelitten haben: Die Obduktion nach seinem Tod im Jahr 1805 zeigt einen von Eiter zerfressenen Körper mit zerstörten Nieren, geschrumpftem Herzmuskel und stark angegriffener Lunge. Doch trotz seiner Krankheit schafft er auch in seinen letzten Jahren hochliterarische Werke, für die er noch heute gerühmt wird.
Die gerade vor diesem Hintergrund besonders beeindruckende Lebensleistung Friedrich Schillers wurde von Lutz Görner mit Unterstützung von Stefan Sell mitreißend und eindrücklich vermittelt. Das Lörracher Publikum applaudierte laut und anhaltend.
Der Rezitator: Lutz Görner hat in den letzten drei Jahrzehnten mit großem Engagement vielen Menschen die deutschsprachige Literatur, insbesondere Gedichte, näher gebracht. Bekannt ist der 1945 geborene Vortragskünstler und Schauspieler durch zahllose Bühnenauftritte und nicht zuletzt durch seine mitreißenden Rezitationen in der 3sat-Fernsehreihe "Lyrik für alle".
Der Musiker: Stefan Sell spielt seit seinem 12. Lebensjahr Konzertgitarre, ist außerdem als Komponist und Autor tätig. Im Schiller-Jubiläumsjahr 2009 präsentiert der 50-Jährige rappend und rockend auch in einem eigenen Soloprogramm "die schillernden Saiten klassischer Gedichte" auf der Gitarre.
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