
Dies ist ein ungewöhnliches Buch. Ein spannender Kriminalroman – aber kein Krimi wie viele andere. Seine Handlung ist weitgehend von Tatsachen geprägt. Die Fakten sind recherchiert. Es geht um deutsche Geschichte mit südbadischem Bezug. Thema: der schlimmste Terroranschlag in der Bundesrepublik Deutschland.
Ein wirkliches Attentat als Grundlage für einen Krimi - geht das denn? Mit seinem Buch Das München-Komplott beweist Wolfgang Schorlau, dass ein solches Thema und das Genre Kriminalroman einander nicht zwangsläufig ausschließen. Im Gegenteil: Bei einem Fall, dessen polizeiliche, juristische und politische Aufarbeitung viele Fragen offen gelassen hat, scheint dieses Genre besonders geeignet. Für manchen Leser mag es die einzige Zugangsmöglichkeit sein, um sich mit diesem scheußlichen Kapitel der jüngsten deutschen Geschichte auseinanderzusetzen. Wer beschäftigt sich sonst schon gern mit Terroranschlag und Mord?
Im September und Oktober 2010 werden Zeitungsartikel, Radio- und Fernsehsendungen voraussichtlich an den Jahrestag des zahlenmäßig größten Terroranschlags in der Geschichte der Bundesrepublik erinnern: das Oktoberfest-Attentat von 1980. Trotz zahlreicher Toter und Schwerverletzter wurde es damals bald ruhig um dieses fürchterliche Ereignis. Der Fall gilt offiziell als geklärt und abgeschlossen, aber ist er das? Handelte es sich wirklich nur um einen einzelnen aus Donaueschingen stammenden Täter?
Bis heute sind die Vertuschungsvorwürfe nicht verstummt. Wer zu Schorlaus spannendem Buch greift, erfährt Hintergründe und erhält Anhaltspunkte, die notwendige Mosaiksteine für die eigene Urteilsbildung liefern können.
· Rezension: J. Krause
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